Weltreise-Magazin

Über meine Reise nach Nordkorea, wo ich vom Tourismusministerium rund um die Uhr bewacht wurde…

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Von Beatrice Sonntag, Weltreisende und Buchautorin. Über ihre Erlebnisse in über 90 Ländern schreibt Beatrice Sonntag mit Humor und Begeisterung auf ihrem Blog und in inzwischen vier Büchern. Zu ihren verrücktesten Reisen gehört ein Ausflug in die letzte sozialistische Diktatur: Nordkorea. Erfahre mehr auf ihrem Blog, auf Facebook oder folge ihr auf Twitter!

Nordkorea ist wohl eines der Länder, die…

Nordkorea ist wohl eines der Länder, die Nordkorea ist wohl eines der Länder, die nur sehr selten in Reisekatalogen auftauchen. Wenn dieses abgeschottete Land in den Nachrichten Erwähnung findet, dann meist im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen, Zensur der Presse oder gar mit Atomraketentests. Wohl in dem Bemühen, Devisen ins Land zu bringen, gibt es seit einigen Jahren eingeschränkten Tourismus in Nordkorea. Ich wollte es mir nicht entgehen lassen, diese Gelegenheit zu nutzen und mir dieses besonders geheimnisvolle Land einmal mit eigenen Augen anzusehen.

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Vieles ist in Nordkorea von vorne herein ausgeschlossen: Individualtourismus gibt es nicht; Backpackerreisen sind also nicht möglich. Sich ein eigenes Reiseprogramm zusammenzustellen, ist nur bedingt machbar. Natürlich werden von den zugelassenen Agenturen, die alle mit der nordkoreanischen KITC (Korea International Travel Company) zusammenarbeiten, verschiedene Reiserouten angeboten, aber vor Ort kommt es dann sehr oft dazu, dass das Programm ohne Angabe von Gründen plötzlich geändert wird. Einfach mal so spazieren gehen ist nicht erlaubt. Alle Touristen sind in ihrem Hotel bestens bewacht und dürfen es nicht ohne Begleitung verlassen. Ein Tourist in Nordkorea wird auf keinen Fall mit einem normalen Menschen in Verbindung treten können. Kontakte zur Bevölkerung werden auf ein Minimum beschränkt. Man begegnet nur auserwählten Personen. Das Ganze hat aber auch ein gutes: „Kriminalität gegen Ausländer kommt nicht vor“. Dieser Satz stand in der Infobroschüre des schwedischen Reisebüros, das meine Rundreise in Nordkorea organisiert hat. So gesehen gehört Nordkorea also zu den sichersten Reiseländern überhaupt.

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Falls man es schafft, sich daran zu gewöhnen, dass man 24 Stunden am Tag bewacht wird, sich nicht frei bewegen kann, immer darauf achten muss, was man sagt und niemals alleine ist, dann kann man diese Sicherheit genießen. Bei mir stellte sich gegen Ende der Woche in Nordkorea ein Gefühl der Erleichterung ein, dass ich dieses skurrile Land wieder verlassen durfte. Mit Entsetzen denke ich nun oft daran, dass viele Millionen Menschen ihr ganzes Leben in dieser Atmosphäre der totalen Überwachung und Restriktion verbringen müssen.

Die koreanischen Reiseführer und Bewacher haben allerdings wirklich alles daran gesetzt, ihrer Reisegruppe den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Sie waren sehr zuvorkommend und freundlich, sehr bemüht und stets höflich. Ich fühlte mich willkommen. Etwas befremdlich war es schon, stets die einstudierten regimetreuen Antworten auf heikle oder auch weniger heikle Fragen zu hören. Etwas merkwürdig war auch die Tatsache, dass etwa in jedem dritten Satz der Name einer der Kims genannt wurde. Aber ich bin in Sachen Sehenswürdigkeiten voll auf meine Kosten gekommen.

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Ich konnte in Nordkorea viele Dinge bewundern, die auf der Welt wirklich einzigartig sind und die ich nie vergessen werde. Einmalig war diese Reise in vielerlei Hinsicht. Besonders beeindruckt haben mich das Mausoleum, in dem Kim Il Sung und Kim Jong Il aufgebahrt liegen, die wohl am besten gesicherte Grenze der Welt und die Arirang Massgames, die im zweitgrößten Stadion der Welt aufgeführt wurden. Das nordkoreanische Propagandaministerium / Tourismusministerium hat es tatsächlich geschafft, uns Touristen die schönen Dinge in ihrem Land zu zeigen. Die Tatsache, dass die schlechten und traurigen Aspekte des Landes so komplett vor den Touristen abgeschirmt werden, ließ sie allerdings in meinen Augen nur noch präsenter und wichtiger erscheinen.

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Zu den unvergesslichen Augenblicken gehört der Besuch des Geburtshauses von Kim Il Sung. Dieses einfache Bauernhaus in einem wunderschön angelegten Stadtpark wird wie eine Pilgerstätte behandelt. Tagtäglich sind Gruppen von Schülern, Studenten, Soldaten oder Arbeitern dazu verpflichtet, sich diese historische Stätte anzuschauen. Genauso ist es auf dem Mansu-Hügel in Pjöngjang. Dort stehen zwei 20 Meter hohe Statuen aus Bronze, die Kim Il Sung und Kim Jong Il darstellen. Hier müssen sich alle Besucher, auch die Touristen, verneigen. Obwohl sich alles in mir dagegen sträubt, mich vor Kim Jong Il, einem grausamen Diktator und machtgeilen Verbrecher zu verneigen, tue ich es dennoch, weil ich weiß, dass meine liebenswerte Reiseleiterin ernsthafte Probleme bekommen kann, wenn ich mich weigere.

Wer sich auf das Spiel einlassen und diese Erfahrung machen möchte, der kann bei mehreren Agenturen weltweit eine solche Reise buchen. Die Einreise ist nur über China entweder per Flugzeug oder per Zug möglich. Mobiltelefone dürfen mittlerweile mitgeführt werden, aber sie sind ohnehin nutzlos, weil sie auf dem nordkoreanischen Staatsgebiet keinen Empfang haben. Ein Visum erhält jeder, der glaubhaft nachweisen kann, dass er kein Journalist ist. Eine Bescheinigung vom Arbeitgeber muss dem Visaantrag beigelegt werden. Schriftlich muss jeder Besucher versichern, die Fotos aus Nordkorea nur zu privaten Zwecken zu nutzen.

Nordkorea - Beatrice Sonntag

Nun, dieses Versprechen habe ich nicht gehalten. Einen zweiten Besuch in Nordkorea kann ich also zumindest unter diesem Regime vergessen. In meinem Buch „Asiens letzte Geheimnisse“ berichte ich ausführlich über meine Erlebnisse in Nordkorea. Darin könnt ihr mehr über die leeren Autobahnen, die leckere Hundesuppe und die hauptberuflichen Tränenvergießerinnen im absurdesten Land der Welt erfahren. Etwas normalere und heitere Reiseerzählungen habe ich in den Büchern „Berufswunsch: Tourist“, „Diagnose: Fernweh“ und „Traumziel: weit weg“ veröffentlicht. Immer treu dem Motto: Nach der Reise ist vor der Reise!

Eure Beatrice!

PS: Du hast eine grandiose Geschichte, welche du ebenfalls bei um die Weltreise als Gastautor veröffentlichen willst? Fantastisch, kontaktiere uns direkt mit deiner Idee, wir freuen uns.

20 Kommentare

  1. Ich habe genau die gleiche Erfahrung gemacht in Nordkorea. Überwachung 24/7 und das Gefühl einer Zeitreise ein paar Jahrzehnte zurück… sehr skurril aber auch super spannend. Dass man nur die schönen Seiten des Landes präsentiert bekommt, muss man sich eben vorab bewusst sein. Danke für deinen Bericht!
    Meine Eindrücke aus Nordkorea:
    http://maraa.de/2014/nordkorea-faq-1/
    http://maraa.de/2014/nordkorea-faq-2/

  2. Bestimmt ein heikles Land um dort zu reisen. Mich würde es brennend interessieren was da so passiert, jedoch weiß ich nicht ob mir diese dauerhafte Überwachung nicht schnell auf den Zeiger geht.

    Auf jeden Fall Danke für den Einblick in eines der eher weniger bereisten Länder der Welt ! Und viel Glück mit deinem 100ten Land in 2015 !

    Viele und liebe Grüße

    Matthias

    • Danke Matthias, das 100. Land wird sicher eine ganz besondere Reise… aber irgendwie ist es auch ein wenig schade, dass ich Nordkorea als das mit Abstand skurrilste Land kaum noch überbieten kann. :-)

  3. Du musstest versichern, die Fotos nur privat zu gebrauchen, hast dieses Versprechen aber gebrochenen. Unabhängig vom Sinn dieser Auflage ist festzustellen, dass Du eine Lügnerin bist. Wer soll Dir noch glauben, wenn Du sogar Gesetze mißachtest?

    In einer Sache hast Du jedoch Recht: eine Einreise wird es für Dich nicht mehr geben!

    • Liebe Anna,
      Wer ein Gesetz oder eine staatliche Verordnung missachtet, ist nicht deshalb ein Lügner. Wie oft habe ich schon die Verkehrsregeln in Europa missachtet, heimlich etwas fotografiert oder sonstwelche Regeln gebrochen. Ich bin mir aber sicher, dass ich deshalb nicht als Lügnerin bezeichnet werden darf! ALLE Journalisten und Schriftsteller, die über Nordkorea schreiben und das nicht in 100% parteitreuem Stil tun, missachten die ‚Gesetze‘ dieses Landes.
      Beatrice

    • Affenkipferl

      Verkehrsregeln absichtlich zu brechen ist auch in Europa grenzwertig. Wenn man zB. betrunken Auto fährt oder bei Rot über die Straße, dann nimmt man auch fahrlässig in Kauf, andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Dieses Argument ist fehl am Platz.

    • Was für ein ungewöhnlich schwachsinniger Kommentar.

    • Walter

      Buchstabengetreu hast ja recht. Doch anderseits gibst mit dieser Stellungnahme gleich bekannt, dass in Sachen Reisen evtl. etwas weniger erfahren zu sein scheinst, was keine Bewertung sein soll.
      Insbesondere in solchen totalitäre Staaten wie Nord Korea zu sein ist nicht ohne. Und noch das: zu Hause so leger über Correctness zu urteilen unterscheidet sich sehr davon, selbst am Ort betroffen zu sein.
      Hatte mal ein etwas „ungewöhnlicher“ Einreise nach Viet Nam hoch oben in den Anemitten. Da schweigt man besser nur noch…

  4. Affenkipferl

    Leckere Hundesuppe? Wie pervers muss man denn sein, um so etwas zu fressen??? Vor allem, wen willst du beeindrucken, indem du hier damit angibst? Einfach nur widerwärtig.

    • regina

      was für ein unnötiges kommentar. keiner hat hier angegeben damit Hundesuppe gegessen zu haben.. es wurde am rande einmal erwähnt. ich werde nie verstehen dass man mit größter selbstverständlichkeit hühner, schweine und sogar kälber isst, aber bei hund oder anderen fremdländische delikatessen plötzlich laut aufschreit. denk mal drüber nach. und zeig ein bisschen Toleranz gegenüber anderen esskulturen.

      • Liebe Regina

        Vielen, vielen Dank! Toleranz ist überall das Zauberwort. Ich wünsche dir einen fantastischen Abend.

        Ganz liebe Grüsse,
        Simon

  5. Christian

    Liebe Beatrice,
    ich muss etwas über einige vorherige Kommentare schmunzeln, zeugen sie doch in der Regel von kultureller Intoleranz. Fahrt Ihr mal schön wieder die nächsten 20 Jahre nach Mallorca und grillt Euch mit zig anderen in der Sonne ;-)

    Ich fande Deinen Bericht klasse. Werde selbst kommendes Jahr nach Nordkorea reisen und am Marathon teilnehmen.

    LG, Christian

    • Lieber Christian,
      Danke für Deinen Kommentar. Ich wünsche Dir viel Vergnügen (auch wenn es teilweise ein merkwürdiges Vergnügen ist) in Nordkorea. Das war eine meiner interessantesten Reisen. Und wenn Du die Möglichkeit hast, koste die Hundesuppe. Das ist wirklich eine besondere Spezialität in Korea. Klingt etwas verrückt, aber in Frankreich isst man Frösche und Pferde. Wieso also nicht auch Hunde? Fleisch ist Fleisch.
      Ach ja: und viel Erfolg beim Marathon. Hut ab!!
      Beatrice

  6. Marcel

    Ich werde nächstes jahr ebenfalls zum Victory Day hinfahren. Werde höchstwahrscheinlich die hundesuppe probieren (wir Europäer „vermenschlichen“ die Tiere viel zu sehr). Klar lässt sich darüber streiten aber das ist Teil ihrer Kultur. Ich glaube ich werde auf meiner Reise durch China und zentralasien noch viel schlimmeres zu mier nehmen. Wie ist es mit laptops und sonstigen gadgets? Wie gross ist die Kontrolle davon? Hast du 1-2 Tipps was man vermeiden sollte?

    • Hallo Marcel,
      Ich hatte auf meiner Reise nach Nordkorea kein Laptop dabei. Die Mobiltelefone und Tablets wurden registriert und von den Grenzbeamten begutachtet. (Sommer 2013) Die Geräte funktionieren ohnehin nicht. Es gibt kein Mobilfunknetz, nur ein internes, das auf einer anderen Frequenz basiert. Andere Reisende berichteten, dass Laptops in versiegelte Umschläge verpackt wurden, welche dann am Ende der Reise auf unversehrtheit kontrolliert wurden. Auf jeden Fall darf man Geräte einführen und wieder ausführen. Es kann halt sein, dass sie nicht genutzt werden können. Alle Aktivitäten, die irgendwie nahelegen, dass man journalistische Ambitionen hat (Notizen machen oder so) sind grundsätzlich verdächtig und sollten im Geheimen (im Hotelzimmer abends) gemacht werden.
      Wenn Du noch mehr Fragen hast, mail mir einfach.
      LG,
      Beatrice

  7. Liebe Beatrice
    Ich fand deinen Artikel auch sehr spannend! Weiter so :-)
    Mein Freund und ich überlegen uns auf unserer 6-monatigen Asienreise einen Abstecher nach Nordkorea zu machen, kannst du mir sagen mit welchem Reisebüro du diese Reise geplant hast?
    Liebe Grüsse und herzlichen Dank im Voraus
    Sara
    P.S.: COOLE Homepage!

    • Ich habe über Korea Kunsult in Schweden gebucht. Das hat sehr gut funktioniert.

  8. Matthias

    Hi Beatrice, ich habe vor im Sept/2017 eine 12-tägige, organisierte Reise über Beijing nach Nordkorea zu machen. Wir fahren mit dem Zug nach Pyöngyang, anschliessend geht’s ins Myohyang-Gebirge, Nampo und zum Schluss natürlich nach Kaesong und wieder Pyöngyang. Deine 100 Länder hab ich noch nicht erreicht, aber immerhin knappe 60 (mit mehrfach Besuchen). Ich bin etwas älter als Du, war in den 70ern 2x in der DDR. Während der Besuche war mir das nicht klar, aber durch Vorkommnisse, war mir im nachhinein klar, das ich unter Beobachtung stand; ich kenn’s also.

    Gruss Matthias

  9. Liebe Beatrice, danke für Deinen interessanter Einblick, auch wenn er mittlerweile etwas länger her ist. Habe kürzlich auch ein Paar interviewt, das Ende 2017 in Nordkorea war. Was mich verwirrt, ist, dass ich mehrfach, auch hier bei Dir, gelesen habe, die Einreise sei nur über China möglich. Ich finde aber auch bei Agenturen, die solche Reisen anbieten, Flüge aus Russland. Weißt Du da was? ich frage sonst noch mal bei der Agentur nach. :)

    Grüße, Susanne

  10. Liebe Susanne,
    2013 gab es nur Flüge (und Züge) von China aus. Es gab zwar auch einen Flug von Vladivostok aus, aber ich hatte keine Agentur gefunden, die die Einreise für Touristen anders als über Peking (mit dortiger Passkontrolle etc) angeboten hat. Möglicherweise hat sich das mittlerweile geändert.
    Gruss,
    Beatrice

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