um die Weltreise

15 Gründe, weshalb ich kein Backpacker sein will (und trotzdem so reise).

Wir haben Job und Wohnung aufgegeben, um als Backpacker neue Länder zu entdecken. Wir reisen als Backpacker mit wenig Gepäck. Wir führen seit Jahren ein Reiseblog für Backpacker. Ab und an bewegen wir uns abseits der Touristenpfade und übernachten in simplen Unterkünften, essen auf lokalen Märkten oder fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir wissen selten, was uns am nächsten Reisetag erwartet.

Trotzdem, ich will kein Backpacker sein!

Du findest mich übrigens auf Twitter, falls du Fragen hast.

15 Gründe, weshalb ich mich vom heutigen Backpacker distanziere.

Der Trend im Lonely Planet, (deutschen) Backpacking-Blogs oder Reisezeitschriften zeichnet ein deutliches Bild vom heutigen Rucksacktouristen. Diesem Bild folgt mittlerweile ein Grossteil der Individualtouristen allen Alters, welche ich antreffe. Genau gegen dieses Bild wehre ich mich.

Ich will damit nicht sagen, alle Rucksackreisenden sind Idioten, sondern: Backpacker, kehrt zu euren Wurzeln zurück, reist des Reisens willen und nicht, um euch Backpacker nennen zu dürfen.

1. Ich gebe gerne Geld aus, auch als Backpacker!

Bäm! Gleich ein Knaller vorneweg. Heute Backpacker zu sein heisst sparen & feilschen. Möglichst billig reisen. Besser noch kostenlos, gratis nach Asien oder eine Weltreise ohne Buget! Klar will ich hie und da sparsam reisen, wenn möglich, das ist völlig logisch und legitim. Es sollte allerdings nicht zum zentralen Inhalt einer Reise werden. Reise um zu entdecken, zu erforschen, zu erfahren, aber nicht, um finanziell von Armen Ländern zu profitieren.

Die Sonnenliegen sind gratis! Ach ja, und der Strand ist wunderschön…

Es vergeht kaum ein Gespräch mit einem Backpacker, in welchem Sparen kein Thema wird. Nicht für mich. Gott sei Dank nicht! Ich gehe in ein Land und habe Erwartungen. Ich bekomme Dienstleistungen und will (ja, will!) dafür einen angemessenen Preis bezahlen.

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Wer zu wenig Geld hat, um einen angemessen Preis für ein Tuk-Tuk zu zahlen, oder um ein paar Rappen feilschst für eine Übernachtung, sollte meiner Meinung nach nicht reisen. Er hat einen teuren Flug von Europa nach X bezahlt. Der Tuk-Tuk Fahrer wird dies ein Leben lang nicht schaffen. Sei also so fair und bezahle ihm zumindest einen angemessenen Preis.

Vergiss „100 Tipps, um als Backpacker Geld zu sparen“, scheiss auf „So kommst du als Backpacker gratis um die Welt“ und leck mich „So bekommst du kostenlos ein Upgrade“.

Update 31.01.2015: Der Kommentar bringt es besser auf den Punkt, als ich es je könnte:
„Mit niedrigstem Budget zu reisen oder sich gar durchzuschnorren halte ich für unverantwortlich. Kein Einheimischer wird je verstehen, was ein Backpacker meint, wenn er sagt, er sei arm. Denn jeder westliche Backpacker ist reich, unbeschreiblich reich in den Augen der Einheimischen. denn er hat etwas, was die Menschen vor Ort in den seltensten Fällen haben: Zeit und Freiheit zu reisen.“ (Ulrike vom bambooblog.de)

2. Du willst nicht? Dann scheiss auf die Weltreise.

Wir sind keine Missionare! Nicht jeder Tag in unserem Leben ist der „fucking traum“, „rockt“ oder ist „abgefackt geil“. Eine Weltreise, Langzeitreisen und Länder entdecken ist fantastisch, grandios, erweitert den Horizont, befreit und ist für die eine Person unvergesslich. Am einfachsten geht das für mich als Rucksacktourist.

Das muss aber nicht für Hinz, Kunz, Anne und Käthi gelten. Es gibt tausend Dinge, welche schön sind. Hauptsache du verfolgst deinen Traum, ganz egal ob als Backpacker, Flashpacker oder komplett ohne Reisen.

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3. Ich liebe Luxus auf Reisen, auch als Backpacker

Unser Gepäck ist zusammengeschrumpft und das Gewicht nicht hoch. Trotzdem kann ich auf Reisen nicht auf etwas Luxus verzichten.

Beispiel: elektrische Zahnbürste. Ich schleppe lieber die 100 Gramm zusätzlich mit, als mir die Zähne mit meinem Finger zu polieren (ja, es gibt Backpacker, welche auch den Stiel der Zahnbürste abschneiden, um Gewicht zu sparen). Du wirst es nicht für möglich halten, ich bezahle sogar für eine tolle Reiseversicherung oder auch mal einen Flug.

4. Ich habe nichts gegen Touristen

Abseits der Touristenpfade? Wieso denn immer nur abseits? Was ist so genial daran, auschliesslich auf Touristenattraktionen zu verzichten? Auf den Pfaden gibt es auch als Backpacker vieles zu entdecken. Souvenirstände? Yeah – Eiscreme.

5. Ich habe nichts gegen Pauschaltouristen

Pauschaltourist? Grandios, toll! Alles organisiert. Attraktionen sehen. Die Welt auf einfache Art erkunden. Fantastische Idee. Rollkoffer, anstelle Rucksack: perfekt. Jeder wie er es mag.

6. Als Backpacker im Luxus-Appartement

Ich gestehe! Ich schlafe lieber in einem bequemen Bett, als auf dem Boden. Ist zwar weniger abenteuerlich, dafür geniesse ich den nächsten Tag ausgeschlafen.

7. Es ist nicht schlimm, als Backpacker zu viel zu zahlen

Jetzt hältst du mich für völlig verrückt, aber es ist wahr. Ich mag nicht abgezockt zu werden. Aber mal ehrlich, wurdest du in Thailand von einem Taxifahrer abgezockt, welcher das Geld weniger nötig hatte, als du? Denkst du, du hast das Geld mehr verdient? Denkst du, dir hilft das Geld mehr, als deinem Gegenüber? Ja, du wirst als armer Backpacker nicht im Geld schwimmen, das ist mir klar. Aber bei dir geht es darum, dass du mit weniger Geld eventuell weniger Ferien machst, eine kürzere Reise planst, auf einen Tauchgang verzichten musst. Bei dem Taxifahrer geht es für ihn, seine Familie und seine Verwandtschaft mit grosser Wahrscheinlichkeit ums nackte Überleben.

Abzocken ist nicht korrekt, es ist legitim, sich zu wehren und auch ich verhandle Preise vorher. Aus Prinzip. Aber geschieht es doch (und es wird geschehen) lohnt es sich nicht, sich lange darüber aufzuregen.

8. Ich mag Alltag

0815? Genial. Gemütlich, regelmässig, keine unangenehmen Überraschungen. Gilt nicht für immer, speziell nicht für Reisen als Rucksackreisender. Aber grundsätzlich finde ich nicht viel Schlechtes am Alltag. Wieso sollten alle unbedingt aus dem Alltag entfliehen? Wieso? WIESO?

9. Als Backpacker entfliehe ich nichts und niemandem

Ich bin nicht auf Reisen, um dem Alltag zu entfliehen. Im Gegenteil, ich liebe es, mit zu Hause in Verbindung zu bleiben. Auch wenn dies bloss unregelmässig geschieht. Ist doch schön, anzurufen und zu hören, was im Alltag geschieht, wie es den Liebsten geht und auch an ihrem Leben teilzuhaben.

10. Ich spreche kein Backpacker – Tripadvisorisch

Tripadvisor ist eine sinnvolle Sache. Leider schaffe ich es nicht immer, die Bewertungen in meine Sprache zu übersetzen. Tripadvisor: VORSICHT! NICHT BUCHEN! MANAGER IST UNFREUNDLICH UND OHNE JEDEN RESPEKT! Wir treffen uns mit dem Manager in ein paar Tagen in Colombo (er reist extra 6 (sechs!) Stunden dorthin). Er will uns seine Freunde vorstellen und uns zum Essen einladen.

Wieso immer nur so negativ? Es darf auch Positives gesagt werden über Hotels, Unterkünfte und über andere Menschen. Keine Angst davor, das Leben ist schön. Hat wenig mit Backpacker zu tun. Muss aber gesagt sein. Ich bin verwirrt.

11. Ich esse gerne Europäisch, auch als Backpacker.

Reis, überall Reis! Weshalb nochmals? Um als Individualtourist mit den Lokalen in Kontakt zu kommen? Um als Backpacker Geld zu sparen? Um als Backpacker neues Essen zu entdecken? Schön. Aber von Zeit zu Zeit ist ein Griechischer Salat oder Spaghetti die einzige Wohltat.

12. Ich darf als Backpacker regelmässig per Taxi oder Flieger reisen

Öffentliche Verkehrsmittel nehmen Frau und Herr Backpacker von Heute. Tun wir auch. Erlebnisse sind garantiert. Anstrengung auch! Es ist unglaublich erholsam, ab und an in ein Taxi zu steigen oder 30 Zugstunden durch 2 Flugstunden zu ersetzen. Ich gestehe, ich habe schon auf ÖV verzichtet.

13. Ich lasse meine Wäsche gerne gegen Bezahlung waschen

Jetzt mal ehrlich, das Geldsparen geht mir so etwas von auf den Sack! Wir haben hart gearbeitet und lange genug gespart. Dafür ist das Geld da. Die paar Franken gebe ich gerne einem, beziehungsweise einer hart Arbeitenden, die meine Wäsche reinigt. Darüber denke ich auch als Backpacker nicht nach.

14. Backpacker dürfen schöne Kleidung mögen

Duschen bloss mit PH neutraler Seife. Ein einziges paar Hosen, 3 T-Shirts? Nein Danke. Wer mich kennt weiss, ich bin nun wirklich kein Modefetischist (und verstehe auch nicht viel davon), aber ab und zu ein schönes Hemd könnte so manchem Individualreisenden nicht schaden und gehört auf jede Packliste.

15. Ich bevorzuge sichere Reiseländer für Backpacker

Zu Fuss durch Afghanistan? Per Fahrrad durch den Irak? Auf allen Vieren bis Pakistan? Im Handstand von Syrien nach Nordkorea? Sicher schön und abenteuerliches Reisen. Aber solange es Reiseländer für Backpacker gibt, welche ich nicht gesehen habe und sicher sind, kommt dies für mich nicht in Frage.

Zu guter letzt: Für Backpacker von morgen

Wir treffen ständig neue Rucksackreisenden, interessante Persönlichkeiten und Reiseverrückte. Viele werden Freunde. Es entstehen immer neue Backpacker-Blogs, die anders sein wollen, neue Wege finden und irre Ideen haben. Das ist nach wie vor die grosse Mehrheit.

Ein zunehmender Teil der Backpacker scheint aber zu vergessen, dass die Welt, welche sie bereisen, sich nicht bloss um sie dreht. Auch Backpacker sind Touristen und in dem bereisten Land nur Gast. Ein hoffentlich dankbarer Gast. Dankbarkeit, Anstand und Gelassenheit dürfen nicht verloren gehen.

 

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Simon Zryd, in 193 Ländern Ausländer.