Weltreise-Magazin

Apulien: Fahrt ins Blaue

Dieses unwirkliche Blau! Adriani Celentano besingt es in seinem Lied „Azzuro“ und Domenico Modugno mit „Nel blu dipinto di blu“ ( „In blau gemaltes Blau“ bessser bekannt als „Volare“ ).

Ein Leserbeitrag von Alexandra: „Ich erzähle auf meiner Seite Das Meer und Apulien von Reisen nach Apulien, von seiner Landschaft, der Kultur, den Menschen. Außerdem gebe ich Reise-Tipps für Selbstentdecker.“.

Apulien – das heißt 300 Sonnentage im Jahr und 800 Kilometer Küste, wo Himmel und Meer von dunkelblau bis türkisblau mit allen Farbnuancen spielen.

Fast alle Strände dürfen die blaue Flagge hissen, die Auszeichnung für höchste Wasserqualität.

Blau ist in Apulien die Lieblingsfarbe für Fischerboote und Sonnenschirme und selbst die Heiligen in der Kirche werden in bläuliches Licht getaucht.

Apulien - madonnablau - Alexandra Horn

Apulien, der Stiefelabsatz, ist eine der flachsten Regionen Italiens, und besitzt eine abwechslungsreiche Küste: am adriatischen Meer ist sie eher felsig mit unterschiedlich großen Sandbuchten, an der ionischen Küste des Salento findest du dagegen kilometerlange Sandstrände, die an die Karibik erinnern. Viele der Dörfer und kleinen Städte sind weiß gekalkt und verdanken ihr spezielles Flair einer Mischung aus italienischen und griechischen Einflüssen. Wie überall in Italien ist der kulturelle Reichtum groß. Hotelburgen suchst du vergeblich, denn Apulien setzt auf Nachhaltigkeit und Agriturismo, d.h auf kleine ländliche oder dörfliche Betriebe, denen der Tourismus ein Zusatzeinkommen ermöglicht. Den Touristen wird dadurch Einblick in den Alltag der Bevölkerung gegeben, die vor allem vom Wein- und Olivenanbau lebt. Die Zahl der Olivenbäume in Apulien wird auf 50-60 Millionen geschätzt, viele von ihnen sind mehrere hundert Jahre alt.

Polignano a Mare thront, auf Felsen gebaut, 15 Meter über der tiefblauen Adria

Apulien - Poligano - Alexandra Horn

Domenico Modugno stammt aus Polignano a Mare, einem kleinem Küstenort an der Adria. Auf Felsen erbaut thront Polignano 15 Meter hoch über dem Meer und ist ein beliebtes Fotomotiv und Ausflugsziel der Italiener. Zwar finden sich hier einige Souvenirshops, aber die Altstadt ist wie fast überall in Apulien wunderschön saniert ohne ihren ursprünglichen Charakter verloren zu haben. Am besten du nimmst dir etwas Zeit und schlenderst ziellos durch das Labyrinth enger Gassen. Früher oder später gelangst du immer wieder an einen der Panoramapunkte, die den Blick freigeben aufs Meer. Danach belohnst du dich mit einem Eis in einer der besten Eisdielen Apuliens direkt gegenüber der Porta del Borgo Antico (Altstadttor) und wanderst ein bißchen weiter nördlich, wo einige Buchten zum Sonnen und Baden einladen. Tagsüber ein Szenetreff ist die Strandbar an der Cala Paura.

Wenn du dir etwas Außergewöhnliches leisten willst, gehst Du abends ins Hotel/Restaurant Grotta Palazzese, das mitten in eine Felsgrotte gebaut ist. Ob das Essen gut ist weiß ich nicht, aber die Location ist einmalig.

Sandstrand gibt es hier nicht aber dafür kannst du hier manchmal Waghalsige beim Sprung von den Felsen ins Wasser beobachten (oder selber springen, wer sich traut). Noch weiter nördlich findest du dann auch einige Sandbuchten.

Tipp für Bahnreisende: der Bahnhof von Polignano liegt nur 10 Gehminuten von der Altstadt entfernt.

Galliopoli lockt mit kilometerlangen Sandstränden gesäumt von Pinienwäldchen

Apulien - Gallipoli - Alexandra Horn

Die Altstadt von Gallipoli (griechisch: die schöne Stadt) liegt auf einer Insel, die durch eine Straße mit der Neustadt verbunden ist. Gallipoli wird in vielen Reiseführern als unbedingt sehenswert empfohlen und ist sicher nicht ohne Flair. Gallipoli hat aber deutlich weniger Atmosphäre als zahlreiche andere Orte in Apulien. Vor allem modern eingerichtete Bars und Restaurants säumen die Uferstraße, die die Altstadt umrundet aber immerhin: es ist ein schöner Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten, denn Gallipoli liegt an der Westküste Apuliens am ionischen Meer.

Das eigentliche Highlight von Gallipoli ist eindeutig die Baia Verde (grüne Bucht). Der kilometerlange Sandstrand beginnt direkt am südlichen Stadtrand und gehört zu den schönsten Apuliens. In Stadtnähe reiht sich Strandbar an Strandbar, aber wenn du etwas weiter aus der Stadt raus fährst, findest du einen wunderschön schattiges Pinienwäldchen, das du durchquerst, bevor du hinter Dünen den feinsandigen Strand mit türkisblauem Wasser entdeckst. In der Vorsaison hast du den Strand fast für dich alleine. Ca 3 km außerhalb der Stadt befindet sich die Strandbar Punta della Suina: Hier gibt es Cafè, Bier, Eis, Snacks, Strandleben, Musik, Party, auch ein Treffpunkt für Schwule.

Apulien - Dolcevita - Alexandra Horn

Direkt gegenüber im Naturpark Punto Pizzo liegt der Campingplatz Baia di Gallipoli Camping Resort. Ich bin kein Fan von Swimmingpools und Animation auf Campingplätzen (findet meist nur in der Hochsaison statt). Aber wenn du kein Auto hast und hauptsächlich Strandurlaub machen willst, ist die Lage perfekt, denn hier gibt es auch eine Bushaltestelle direkt vorm Eingang. Du kannst von hier bis ganz in den Süden oder bis in die Provinzhautstadt Lecce fahren, die bekannt ist für ihre Barockarchitektur und Florenz des Südens genant wird.

Auf dem kleinen, eher familiären Agricampeggio Torresabea im Norden Gallipolis, werden landestypische Produkte verkauft und auch sogenannte Glamourzelte vermietet, für Backpacker, die sich ein bißchen Luxus gönnen wollen. Die Felsküste bietet hier keinen Zugang zum Meer und ohne Auto (oder Fahrrad) bist du ziemlich aufgeschmissen.

Tipp: Fahrradverleih direkt gegenüber vom Bahnhof (sehr freundlich, 5 Euro/Tag), auch der Bahnhof von Gallipoli liegt direkt in der Stadt.

Wenn du ohne festes Ziel einfach ins Blaue fahren und als Backpacker mit dem Zug Apulien entdecken willst, gibt es einiges zu beachten. Die Züge in Apulien sind nicht nur billiger, sondern auch pünktlicher als in Deutschland und die meiste Zeit fährst du durch wunderschöne Olivenhaine. Gut ausgebaut und regelmäßig befahren ist die Strecke zwischen Bari und Lecce an der adriatischen Küste, allerdings liegen nicht alle Orte immer in der Nähe des Bahnhofs und in kleineren Orten gibt es keine Taxen. Die Regionalzüge verkehren zum Teil unregelmäßig, meist nur bis 20.00 uhr und an Sonntagen gar nicht. Es gibt auch zahlreiche Überlandbusse. Da musst du dich allerdings ein bißchen durchfragen, wann und wo die abfahren.

Die schönsten Campingplätze liegen naturgemäß nicht immer in der Nähe der Ortschaften. Einige Buslinien verkehren nur im Sommer, also von Mitte Juni bis Ende August. Bars und kleine Supermärkte auf den Campingplätzen sind ebenfalls meist nur in der Hauptsaison geöffnet.

Tipp: auf jeden Fall vorher anfragen, ob überhaupt geöffnet ist und ob es Fahrräder zu mieten gibt. Ich selber campe eher aus Geldmangel als aus wirklicher Leidenschaft, aber es ist natürlich einer der besten Orte, um Reisebekanntschaften zu schließen auch mit Italienern, von denen es viele Dauercamper gibt. Als allein reisende Frau habe ich mich in Apulien nie unwohl gefühlt. Wahrscheinlich wirst du als Frau viele Blicke auf dich zu ziehen. Die Apulier sind aber zurückhaltend was Anmache angeht, hilfsbereit, wenn du mal nicht mehr weiter weißt und geduldig, wenn es Sprachprobleme gibt, denn abseits der Touristenzentren sprechen die wenigstens englisch oder deutsch.

In Otranto lässt sich Badeurlaub ideal mit Altstadtbummeln vereinen

Wenn du Strand mit Stadtleben vereinen willst, ohne weite Wege zurücklegen zu müssen, kann ich dir Otranto im Südosten empfehlen. Zwar drängeln sich in einigen Gassen schon in der Vorsaison Touristen und Souvenirshops, aber die weißgetünchte Altstadt ist wirklich sehenswert  und es gibt hier einen Campingplatz (Idrusa Camping) fußläufig in der Nähe des Ortes. Otranto hat auch einen hübschen Sandstrand ganz in der Nähe der Altstadt oder du fährst von hier aus zu der etwas nördlicher gelegenen Bilderbuchbucht Torre dell´Orso.

Mehr von der Atmosphäre in einem der hübschen Städtchen Apuliens kriegst Du natürlich mit, wenn du dir eine Ferienwohnung in einer der Altstädte mietest: dann bist du mitten drin im vita italiana und falls ihr mindestens zu zweit seid, ist das nicht unbedingt soviel teurer als Zelten. Tagsüber wirken nicht nur viele Orte verschlafen, sie sind es auch: während der Siesta zwischen 13.00 und 17.00 uhr haben alle kleineren Läden geschlossen.

Abends erwacht am lungomare und in den Gassen der Altstadt erst so richtig das Leben: Konzerte, Feste, Kneipen- und Restaurantbesuche oder einfach nur Runden drehen („facciamo un giro“). Die meisten Italiener amüsieren sich gerne, was kein Widerspruch zu ihrem tief verwurzelten Glauben ist.

Leben und leben lassen ist das Motto.

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